Zitty Magazine Berlin, Review, Three voices in my head

Foto: Freies Museum Berlin

Richard Rabensaat
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Was wir entdecken, hängt davon ab, wo wir stehen bleiben. Von dieser Einsicht hat sich Kurator Shaheen Merali leiten lassen, als er die Auswahl der Künstler für die aktuelle Ausstellung im Freien Museum Berlin traf, einem von Künstlern geleiteten Haus in Tiergarten. „Drei Stimmen in meinem Kopf“ lautet der Titel der Ausstellung mit Arbeiten, die Seismograf für Befindlichkeiten in den Städten Berlin und New York sein sollen.
Shaheen Merali war Mitbegründer des Panchayat Arts Education Resource Unit, einem Archiv vor allem für außereuropäische Kunst in London, und er leitete den Bereich Kunst, Film und Medien am Haus der Kulturen der Welt. Merali denkt transnational und behält dabei das lokale Detail im Auge. Gegenwärtig pendelt er zwischen Kunstzentren der Welt, sucht Vernetzungen und Perspektiven für die Kunst nach der Finanzkrise. Für „Drei Stimmen in meinem Kopf“ stoppte Merali in Berlin.
Sauber geordnet in den drei Stockwerken des Freien Museums finden sich nun Bilder von Ulrich Volz, Gregg LeFevre und Yvette Mattern. Die Malerei von Volz bildete den Ausgangspunkt für Meralis Zusammenstellung. Ein dichtes Gewirr von nervösen Linien bedeckt Ulrich Volz’ Bilder: Der Künstler hat ein vibrierendes Geflecht aus Spannungsbögen und Energiefeldern gezeichnet, auf Papier oder Leinwand ohne Spannrahmen, wo sie sich eruptiv auf die Malfläche ergießen. LeFevres Thema dagegen sind Werbung und Verlockungen. Er zeigt Fotos mit großformatigen Arrangements aus Gesichtern, Menschen in der Stadt. LeFevre und Volz konterkarieren das hippe Bild des jungen, erfolgreichen Künstlers mit Luxusleben, den man hinter ihren Arbeiten vermuten könnte: Die beiden Berliner sind weit über 50, ihr Bildvokabular hat sich über Jahrzehnte entwickelt. Die New Yorkerin Yvette Mattern schließlich zeigt Fotopanoramen von ihrer Laserinstallation „Global Rainbow“, die sie Anfang des Jahres auf dem Medienkunstfestival „transmediale“ aufführte, und eine hübsch bunte Skulptur aus Neonröhren, die poppig den Raum beleuchtet.
Mit diesen unterschiedlichen Positionen spiegelt Kurator Shaheen Merali gekonnt die Stimmung der Metropolen, die bei allen drei Künstlern Linien vibrieren lässt, Flächen und Muster zerreißt. Hier sind keine Erzählungen entstanden, sondern Radiogramme pulsierender Urbanität.


Bis 14.5.: Freies Museum Berlin,
Potsdamer Str. 91, Tiergarten,
U Kurfürstenstraße, Mo-Sa 12-19, So 15-18,
Do bis 22 Uhr, www.freies-museum.com

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